Der Walser Birnbaum
auf dem Kreisverkehr in Wals - Siezenheim und beim Denkmal zur Schlacht am Walserfeld

Schon so oft achtlos daran vorbeigefahren – auf den Verkehr geachtet, um die richtige Ausfahrt auf dem Kreisverkehr zu erwischen und doch - aus den Augenwinkeln immer wieder im Blick: Die Skulptur Walser Birnbaum.

Ein Parken an dieser Stelle sehr schwierig entschließe ich mich zu einer anderen Variante. Mit meinem Radl - Marke man weiß nicht genau wie alt – jedoch so um 1930 gebaut - es will immer wieder dorthin, wo „Vergangenheit“ sich findet. Der Saalachsteg vom Rupertiwinkel hinüber ins Österreichische Wals/Grünau – er scheint mir die schnellste und kürzeste Verbindung.

Kreuz und quer durch den beschaulichen Ort Wals leuchtet die Skulptur schon von weitem in ihrem Bronzegold vom Kreisverkehr herunter. Farbenprächtige Blumenarrangements heben den Birnbaum mit seinen sechs Birnen und von einem angedeuteten „Fußball“ umhüllt noch mehr ins Blickfeld.

Walser Birnbaum aus Bronze auf der Verkehrsinsel mit sechs Birnen und umgeben von einer Gitterschale aus Niro-Rohr in Form eines Fußballs?
Auf den ersten Blick schwer zu verstehen und doch leicht zu erklären: Im Jahr der Fußballeuropameisterschaft 2008 stellte die Gemeinde Wals-Siezenheim die vom einheimischen Künstler und Bildhauer Harald Leitner gestaltete die Skulptur auf. (Die Endrunde der 13. Fußball-Europameisterschaft ausgetragen vom 7. bis 29. Juni 2008 in Österreich und in der Schweiz).
Kurioses am Rande: In der Nacht auf Samstag 20. Juni 2015 verschwand eine der sechs Birnen – einige Tage später vom Dieb wieder zurückgebracht.

 

Wieso nun ein Birnbaum:
Wals-Siezenheim trägt einen Birnbaum mit sechs Birnen (teilweise werden auch sieben gezeigt) in seinem Wappen. Mit dem Radl vom Kreisverkehr aus „neben“ der Hauptstraße kein Problem, den lebenden „Birnbaum“ mit der Gedenktafel und Beschreibung zu erreichen. Viele Sagen und Mythen ranken sich um den Birnbaum. Urkundlich erstmals 1564 in Erscheinung getreten erlebte diese Stelle Geschichte:
Auf dem „Walserfeld“ findet sich schon seit Jahrhunderten ein mit Sagen und Mythen umrankter, immer wieder neu gepflanzter Birnbaum. Ein Birnbaum an dieser Stelle erlebte – glaubt man den Aufzeichnungen – bereits das sich anbahnende Ende der Römerzeit Mitte des 5. Jahrhunderts.

Eine Sage erzählt vom im Untersberg schlafenden „Karl der Große“, der auf dem Walserfeld dereinst die Endschlacht zwischen Gut und Böse schlagen wird. Auch der Volksglaube befasst sich mit dem Walser Birnbaum: Noch im 19. Jahrhundert sollte derjenige, der den Birnbaum fällt, keines natürlichen Todes Sterben und keine männlichen Nachkommen haben.

Tatsache ist: Der „Walser Birnbaum“ genießt bis heute große Verehrung, hat einen eigenen Platz bekommen mit Gedenktafel, Beschreibung und Mahnmal – ein Platz zum Innehalten im Bewusstsein, dass hier im Zuge der Napoleonischen Kriege bei der Schlacht am Walserfeld vom 12. bis 14. Dez. 1800 über 22 000 Tote, Vermisste und Verletzte Soldaten auf beiden Seiten der französischen und kaiserlich-österreichischen Truppen zu beklagen sind; ...

... die siegreichen Franzosen anschließend in die Stadt Salzburg einmarschieren, in Stadt und Umland plündern;
es den Beginn vom Ende des seit 1328 bestehenden Erzstift Salzburg bedeutet.

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Land und Leute, Geschichte und Geschichten ...
Der äußerste Südosten Bayerns mit Chiemgau, Rupertiwinkel und Berchtesgadener Land schickt mich in seiner Vielfalt immer wieder auf die Suche ...

Eure Rosi

Alle Bilder RoHa-Fotothek Fürmann
und Archiv Fürmann

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